Partnerschaftsverein Gomadingen      -     in der Presse

Von hellem Grün bis hin zu leuchtendem Gold

Steingebronn.  Wer hat den besten Most im Keller? Diese Frage stellte sich erneut bei der Mostprämierung des Partnerschaftsvereins Gomadingen. 19 Proben aus der Region galt es zu testen und sachverständig zu bewerten.

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Rund 30 Teilnehmer aus der Region begutachteten bei der mittlerweile 15. Auflage der Mostprobe des Partnerschaftsvereins Gomadingen im Feuerwehrhaus in Steingebronn die Qualitäten des 2011er Jahrgangs. Foto: Roswitha Häbe

In Frankreich ist er unter dem Namen Cidre bekannt, die Spanier lieben den Sidra, die Schwaben in Süddeutschland sind auf ihren selbstgemachten Most stolz. Erzeuger des schwäbischen Nationalgetränkes, bewaffnet mit je zwei Literflaschen, trafen sich am Freitagabend im Steingebronner Feuerwehrhaus. Saßen mit ihrem seligmachenden Trank aus vergorenen Äpfeln in gemütlicher Runde mit Gästen zusammen, zum 15. Mal übrigens, bereit zum "Schluck-down". Frei nach dem Motto "Der Wein erfreut des Menschen Herz, dr Moscht da ganza Kerle", wurden wieder die letztjährigen heimischen Moste geschnüffelt, gesüffelt und am Ende auch noch gerüffelt nach "Farbe", "Reinheit", "Geruch" und "Geschmack".

Bei der Herstellung des Mostes ist Bedingung, dass das verwendete Obst aus beheimateten Streuobstwiesen im eigenen Keller zur Vergärung gebracht wird. Ansonsten sind der Phantasie in Punkto Rezeptur keine Grenzen gesetzt und die "Bauernschläue" konnte sich wieder ungehemmt austoben.

Über mehr als 30 gutgelaunte Gäste aus Glems, Eningen, Offenhausen, Rietheim, Magolsheim, Hundersingen, Gomadingen, Steingebronn und Wasserstetten, die sich beherzt und fachkundig unter regelmäßiger Neutralisierung des Gaumens mittels Griebenschmalz- und Käsebrotschnitten durch 19 Proben der Mühen des vergangenen Jahres schlotzten, freute sich der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Albrecht Luther.

Trüb bis klar, in der Farbe von hellem Grün bis zu leuchtendem Goldgelb, oder rötlich schimmernd, entweder nur aus Äpfeln oder Birnen, mal aus beidem produziert, oder mit Säften aus Beeren und Gewürzen verfeinert: Die Mosterzeugnisse aus den Kellern der Region forderten die Tester. Wobei das mit dem "Besten" zugegebenermaßen sehr subjektiv ist: Was dem einen mundet, liegt dem anderen womöglich pelzig auf der Zunge. Und wo der eine die Süße vermisst, kann es dem anderen nicht "räs" genug sein. Die Geschmäcker sind eben verschieden, so waren auf den Bewertungsbögen neben der Punktzahl auch kleinere Bosheiten wie "Schmeckt wie Essig", "Lohnt sich nicht, hierfür in den Keller zu laufen", "Fassspülwasser" oder "Semsakrebsler" zu finden.

Es ist eine Kunst und erfordert auch einigen Sachverstand, einen guten, süffigen Most herzustellen. Saftige, vollausgereifte Äpfel von einem gewissen Säuregrad sind hierbei empfehlenswert, sagt Robert Reusch aus Glems, der an die 20 Sorten des "Schwabensektes" produziert und diese im Februar erstmalig in seiner Besenwirtschaft kredenzt. Ein Zusatz von Birnen diene der Zuckererhöhung beziehungsweise Säureminderung sowie Geschmacksabrundung. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei die Gärkontrolle, häufig ist es notwendig, noch Reinzuchthefe zuzusetzen. Der Lagerkeller sollte bei gleichmäßiger Luftfeuchtigkeit ebenfalls möglichst eine gleichbleibende Temperatur aufweisen, rät der Fachkundige.

Nach zwei Stunden testen und fachsimpeln konnte Robert Greiner, der die Mostprobe als ehemaliger Vorsitzender des Partnerschaftsvereins ins Leben rief, die Ergebnisse bekanntgeben.

Es gab eine Siegerin, die schon mehrmals an der Prämierung teilnahm und bisher nur am Siegerlorbeer schnuppern durfte, ohne ihn jedoch wirklich einmal ernten zu können. Eva Susanne Luther aus Offenhausen erreichte die höchste Wertung. Nur knapp dahinter ging Christel Kneer aus Magolsheim, eigentlich eine mostpolitische Amateurin, die nach Mutters Rezept eine Kreation herstellt, als Zweite ins Ziel. Gefolgt von den Jüngsten unter den Mostexperten, Sonja Hespeler und Oliver Haid aus Gomadingen, für die es eine gelungene Premiere war. Auch der Most des Vorjahressiegers Manfred Walter (Wasserstetten) und der des Gomadingers Lothar Fensch spielten in der Schwäbischen Grand-Cru-Liga vorne mit.

Jeder Platzierte erhielt einen Sachpreis als Pokal und für die, die leer ausgingen, galt das olympische Motto "Dabei sein ist alles". Es war ein amüsanter und informativer Abend unter Menschen, die mit dem Mosten eine alte Tradition aufrechterhalten und zum Erhalt der Streuobstwiesen im Biosphärengebiet beitragen.

 

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